1989 - So fing alles an

Kinderzentrum Nadeshda in Weißrussland

Nachdem die Evangelische Landeskirche von Westfalen im Rahmen der Lan­des­sy­no­de Stellung bezogen hat zur Versöhnungsarbeit, hat die Männerarbeit in der Evan­ge­li­sche Kirche von Westfalen im Jahr 1989 diese Versöhnungsarbeit aufgenommen und sich an einer ersten Pilgerfahrt nach Weißrussland beteiligt unter dem Thema „Auf den Spuren unserer Väter“.

1991 war dann der 90 Teilnehmer umfassende Gegenbesuch des belarussischen Friedenskomitee mit der Abschlussveranstaltung in Iserlohn. Daraus entwickelten sich intensive Kontakte in der Versöhnungsarbeit im gegenseitigem Austausch und Besuchen von Gruppen.
Nach einer Phase des intensiven Kennenlernens kam dabei zum Ausdruck, dass die Versöhnungsarbeit sich nicht allein dadurch auszeichnet, dass sich Menschen aus verschiedenen Ländern begegnen. Im Rahmen dieser Versöhnungsarbeit ist auch immer wieder die Tschernobyl-Katastrophe Thema der Begegnungen gewesen. Daraus entstand der Gedanke, dass ein Kinder- und Erholungszentrum für tscher­no­byl-ge­schä­dig­te Kinder in Weißrussland entstehen sollte.

Im Rahmen der Begegnungsarbeit konnte eine westfälische Delegation im April 1993 die ersten Überlegungen anstellen, das dazu führte, dass 70 Kilometer nordwestlich von Minsk gelegen eine Erholungsstätte der Universität Minsk angekauft werden konnte.
Bereits im September 1993 machte sich eine Gruppe der westfälischen Männerarbeit unter der Leitung von Wolfgang Menzel auf den Weg nach Weißrussland, um dieses Kinder- und Erholungszentrum zu renovieren. Im April 1994 erfolgte ein weiterer Arbeitseinsatz, der dann dazu führte, dass bereits im September 1994 das Kinder- und Erholungsheim Nadezhda für rund 200 tschernobyl-geschädigte Kinder eröffnet werden konnte.

Nadezhda heißt Hoffnung. Hoffnung für die strahlengeschädigten Kinder in der Re­pu­blik Belaruss. Durch eine ausgewogene Verbindung von medizinischen, pä­da­go­gi­schen und psychologischen Angeboten versucht das Erholungs- und Bildungszentrum Nadezhda eine Antwort auf die genannten Probleme der betroffenen Kinder zu geben

Das Konzept von Nadezhda auf einen Blick:

  • Stressfreies, motivierendes und interkulturelles Lernen.
  • Kreative Stärkung des Selbstwertgefühles.
  • Naturerleben und ökologischen Denken.
  • Psychologische Hilfe bei der Bewältigung von Traumata.
  • Eine ausgewogene, ballast- und vitaminreiche Ernährung.
  • Gesundheitsbildung und individuelle Körperhygiene.
  • Medizinische Stärkung der Selbstheilungskräfte

In der Zeit von September 1994 bis Frühjahr 2002 haben sich im Zentrum “Nadezhda” mehr als 11.000 Kinder und 600 Begleitpersonen erholt. Die Kinder kommen aus den stark kontaminierten Regionen des Gomeler und Mogiljower Gebietes. Nach dem vierwöchigen Aufenthalt in Nadeshda ist das Immunsystem der Kinder nachweislich deutlich gestärkt.

Neben den Arbeitseinsätzen ist seit 1998 die Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen - vertreten durch den Sozialdienst Evangelischer Männer e.V. - Teilhaber dieses Kinderzentrums und beteiligt sich jährlich mit einem Beitrag zum Wirtschaftsplan. Gleichzeitig unterstützt die Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen dieses Projekt durch gezielte Aktionen.

Aus Anlass des 10jährigen Jahrestages der Tschernobylkatastrophe wurde ein deutschwestfälisches/belarussisches Kochbuch herausgebracht, um das Kinderheim weiter finanziell unterstützen zu können. Gleichzeitig konnte aus dem Spen­den­auf­kom­men der Männergruppen und Gemeinden zwei Ford-Transit-Busse nach Weißrussland zum Transport der Kinder gekauft werden.

Dieses Kinderheim, in einer sauberen Zone im Wald gelegen, musste aus Si­cher­heits­grün­den auch mit einem Feuerwehrfahrzeug ausgestattet werden. Die Gemeinde Wattenscheid-Günnigfeld finanzierte durch ihre Weihnachtsbasare und Mu­sik­ver­an­stal­tun­gen ein Feuerwehrauto.

Im August 2000 war aus Anlass des Besuches des Präses der Ev. Kirche von Westfalen erneut ein Betrag gesammelt worden, der dazu diente, dass der Präses dem Kinderzentrum Nadezhda einen neuen Ford Transporter überreichen konnte.

Um dieses Kinderzentrum von der schwierigen Versorgungslage in Weißrussland abzusichern, wurde neben dem Kinderzentrum eine landwirtschaftliche Fläche von 18 ha angepachtet, um dort landwirtschaftliche Produkte anzubauen und die Grund­ver­sor­gung für das Kinderzentrum sicherzustellen. Aus diesem Grunde wurden erneut Geldbeträge gesammelt und landwirtschaftliche Geräte im Werte von 20.000,00 Euro gekauft und nach Weißrussland transportiert.

Im Jahr 2000/2001 hatte die Männerarbeit sich zum besonderen Ziel gesetzt, neben der landwirtschaftlichen Versorgung auch sicherzustellen, dass die Versorgung mit Obst für die Zukunft gewährleistet ist. Deshalb wurde wiederum in den Män­ner­grup­pen sowie bei den Kleingärtnern des Bezirksverbandes Hamm-Kreis Unna das Geld zusammengetragen, um eine Obstplantage in Weißrussland zu erstellen. Im September 2001 konnte die Obstplantage mit über 400 Obstbäumen und über 400 Obststräuchern eröffnet werden.

Es geht immer wieder um die Sicherstellung der Versorgung des Kinderzentrums mit sauberen Nahrungsmitteln. Aus diesem Grund sind im März 2002 und 2003 und 2004 jeweils 200 m2 große Gewächshäuser gekauft und aufgebaut worden, um die Kinder mit frischem Gemüse und Salaten versorgen zu können. Gleichzeitig werden die Pflanzen für das Freiland vorgezogen.

Im Juni 2002 fuhr eine 38köpfige westfälische Delegation nach Weißrussland, um die Umsetzung der Obstplantage, aber auch die gesamten landwirtschaftlichen Einrichtungen zu begutachten und neue Ideen vor Ort zu entwickeln, damit dieses Zentrum weiterhin tschernobylgeschädigten Kindern Erholung gewährleisten kann. Gleichzeitig überbrachte die Delegation einen Ford Transit Bus mit Anhänger für das Zentrum.

Im Oktober 2002 konnte Dank einer Spende der Stadt Hagen ein “neues” gebrauchtes Feuerwehrfahrzeug zur Sicherheit des Zentrums und der Kinder übergeben werden.

Am 3. April 2003 machten sich dann zwei Kleingärtner, die Gartenfreunde Werner Scholz vom Kleingärtnerverein “Im Plackengrund” (Hamm) und Manfred Wanierke vom Kleingärtnerverein “Ahsetal” (Hamm), gemeinsam mit vier Begleitern der evangelischen Männerarbeit Westfalen, Gerd Mackeben (Schwerte), Dieter Birkmann (Dortmund), Klaus Wichmann (Schwerte) und Adam Oppe (Dortmund), mit zwei Transportern, beladen mit Hilfsgütern auf dem Weg nach NADESHDA in Weiß­russ­land. Gestartet wurde am Donnerstag, den 3. April, nachts um 2.30 Uhr, vom „evangelischen Bildungswerk Haus Villigst“ in Schwerte.

Im März 2004 konnte ein neuer Traktor und ein Striegel finanziert werden. Im Juni 2004 haben 35 Teilnehmer aus Westfalen sich vom Fortschritt des Zentrums im Rahmen der ökologischen Woche überzeugen können. Aus Anlass der ökologischen Woche konnte die Delegation einen neuen Ford Transit (13 Sitzer) sowie einen VW Golf übergeben.
Im Mai/Juni 2004 wurden aus der Evangelischen Landesschule in Meinerzhagen viele Einrichtungsgegenstände wie Küchengeräte, Schultafeln und Mobiliar ausgebaut und mit drei LKW (40 Tonner) nach Nadezhda transportiert. Im Juli wurde ein Gartenpflug finanziert und vom Bezirks- und Landesverband der Kleingärtner ein Mulchgerät für die Obstplantage. Im August 2004 ging ein weiterer LKW-Transport mit Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den aus der Landesschule in Meinerzhagen nach Nadezhda.

Im September 2004 flog eine 34 Personen umfassende Delagtion der westfälischen Männerarbeit zu den Feierlichkeiten aus Anlass des 10. Geburtstages nach Minsk.
Im Rahmen dieser Feierlichkeiten wurden folgende Personen für Ihren hu­ma­ni­tä­ren Einsatz für das Zentrum ausgezeichnet:

Heinz-Georg Ackermeier, Bernhard Auer, Hans-Jörg Aldag, Ellen Aldag, Werner Dossow, Horst Dustmann, Sigrid Findeisen, Hans-Martin Findeisen, Günter Gnädig, Sieghard Häussler, Fritz Joost, Erika Joost, Klaus Karwowski, Friedrich König, Peter Kiebitz, Gerd Mackeben, Erika Mackeben, Wolfgang Menzel, Brigitte Menzel, Reinhard Müller, Adam Oppe, Helmut Pfeiffer, Gottfried Pellengahr, Achim Riggert, Helmut Scheel, Sieglinde Schmidt, Rainer Wessner und Klaus Wichmann.

Für die westfälischen Organisationen wurde ausgezeichnet:

Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen - Dr. Horst Eller, Espelkamp,
Sozialdienst Evangelischer Männer - Dr. Horst Eller, Espelkamp,
Landesverband der Kleingärtner Westfalen und Lippe - Werner Heidemann,
Bezirksverband der Kleingärtner Hamm/Unna - Peter Schulz,
Männerarbeit Bezirk Ruhrgebiet - Adam Oppe,
Männerarbeit Bezirk Hellweg - Udo Teupen,
Evangelische Kirchengemeinde Wattenscheid-Günnigfeld - Wolfgang Kraziewicz..

In der Zeit vom 21.09. – 25.09.2005 flogen, unter der Leitung von Wolfgang Menzel und Werner Heidemann, 40 Funktionsträger der Kleingärtner aus dem Lan­des­ver­band Westfalen und Lippe nach Belarus, um das Projekt, was der Landesverband der Kleingärtner Westfalen und Lippe seit Jahren unterstützt, persönlich kennen zu lernen und weiterhin fördern werden.

Seitdem wird das Kinderzentrum vom Landesverband Westfalen und Lippe und von verschiedenen Bezirksverbänden unterstützt. Regelmäßige gegenseitige Besuche fördern außerdem die Freundschaft zwischen den Mitarbeitern des Kinderzentrums und den Kleingärtnern des Landesverbandes.