Humanitärer Einsatz in Weißrussland

Nadeshda, auf deutsch "Hoffnung", so heißt ein Kinder- und Erholungsheim für strahlengeschädigte Kinder in Weißrussland, ca. 100 Kilometer nördlich von Minsk. Eine unverstrahlte Insel in einem Gebiet, das nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, (26. April 1986) auf unabsehbare Zeit strahlenbelastet ist. Ganze Schulklassen machen hier mit Ihren Lehrern für 24 Tage Erholungsunterricht.
Zwei Kleingärtner, die Gartenfreunde Werner Scholz und Manfred Wanierke aus Hamm machten sich gemeinsam mit vier, bisher unbekannten Begleitern der evangelischen Männerarbeit Westfalen mit Sitz in Iserlohn, auf dem Weg nach NADESHDA in Weißrussland. Gestartet wurde am Donnerstag, den 3. April 2003, nachts um 2.30 Uhr, vom „evangelischen Bildungswerk Haus Villigst“ in Schwerte.

Der Weg von Deutschland bis zum Kinderheim ist weit. Rund 35 Stunden, mit einer Übernachtung, brauchte das Team mit Ihren zwei Transportern plus Anhänger, beladen mit Hilfsgütern, von Schwerte über Berlin, Warschau, Brest und Minsk, bis in die Gegend um den Wileika-Stausee.

Bei leichtem Schneefall ging es nachts, vorbei an kleinen Dörfern mit ihren Holz­häu­sern, in Richtung Nadeshda. Kurz vor dem Ziel, mitten im Wald, die Armbanduhr zeigt 3.35 Uhr, sehen sie an einer Kreuzung einen Wegweiser, „Kinderzentrum NADESHDA“. Sechs Personen, die unterwegs zu Freunden geworden sind, sind glücklich, endlich das Ziel erreicht zu haben.

Morgens schon wurde uns, begleitet von der Dolmetscherin Olga, das gesamte Heim mit ihren Einrichtungen gezeigt. Klassenräume, Schlafräume, Aufenthaltsräume zum Spielen, Bürogebäude, Turnhalle und Krankenstation.
Man berichtete uns, die Leitidee des Zentrums NADESHDA ist es, die Gesundheit der Kinder zu fördern. Zum Beispiel durch die Stärkung des Immunsystems, Sport- und Bewegungsprogramme, Vitamintherapie, Physiotherapie, Spieltherapie, Ent­span­nungs­übun­gen, ausgewogene Ernährung u.s.w.. Noch wichtiger ist es aber, im Unterschied zu ihren verseuchten Heimatorten können sich die Kinder in Nadeshda draußen frei bewegen. Die Kinder spielen hier im Wald, was sie zu Hause nicht können. Sie sind glücklich und das stärkt nebenbei noch die Psyche.

Nachmittags, die Sonne lachte vom Himmel, nun begann unser Arbeitseinsatz. Die ersten Obstbäume wurden geschnitten. Leider berichtete man uns und wir konnten uns dann auch selbst davon überzeugen, dass viele Obstbäume durch Wildverbiss stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Rehe sind in den letzten Tagen, bedingt durch die anhaltende Kälte und Hunger, in die Obstplantage eingedrungen und haben große Schäden an den Bäumen angerichtet. In den nächsten Tagen soll nun damit begonnen werden, einen Zaun aufzubauen und die Bäume so vor weiteren Schäden zu schützen.

Der anschließende Sonntag wurde für einen gemeinsamen Ausflug genutzt. Ziel war die Fischzuchtanstalt am Narotsch-See, etwa 120 km von Nadeshda entfernt. Von hier bekommt das Kinderdorf die notwendige Menge an Fisch für eine gesunde Er­näh­rung.
Wir konnten uns davon überzeugen mit welch einem großen Aufwand hier die Fische in den unendlichen Wäldern von Weißrussland herangezogen werden.

Für den nächsten Tag war geplant ein Gewächshaus aufzubauen. Leider begann es nachts aber an zu schneien und so musste diese Arbeit verschoben werden. Um nicht untätig zu sein, nutzen wir den Tag anderweitig und besichtigten die Stadt Wilejka. Es sollte noch schlimmer kommen. Unaufhörlich fiel die weiße Pracht vom Himmel und an einem Aufbau des Gewächshauses war nicht mehr zu denken. Die wenigen Tage die für unsere Arbeiten geplant waren gingen tatenlos vorüber uns so machten wir uns schon einen Tag früher auf die lange Heimreise.